Das Wichtigste aus der 120 Jährigen Vereinsgeschichte des Heppenheimer Ziegenzuchtvereines

Seit 1894, also über 120 Jahren, gibt es den Heppenheimer Ziegenzuchtverein, der älteste Ziegenzuchtverein in Deutschland. Am 03.06.1894 wurde durch den Bürgermeister Wilhelm Höhn unser Verein gegründet. Wilhelm Höhn, einer der größten und wichtigsten Bürgermeister von Heppenheim, war von 1887 bis 1910 Im Rathaus und stellte mit 22 Dienstjahren einen für Heppenheim noch heute gültigen Rekord auf.

Von der Gründung 1894 bis 1910 war Wilhelm Höhn , auch erste Vorsitzender des Heppenheimer Ziegenzuchtvereins ( 16 Jahre ) . Durch die Gründung des Vereins und durch die Einfuhr von Saanenziegen aus der Schweiz wurde die Landziege planmäßig verbessert. Zur damaligen Zeit, wurden ca. 900 bis 1000 Ziegen in Heppenheim gehalten. In dieser Anfangszeit wurden in Heppenheim im durchschnitt, 50 bis 60 Ziegen im Jahr aus der Schweiz eingeführt. Interessant sind die Probemelkungen die im Jahre 1898 durchgeführt wurden. Der einheimische Landschlag gab im Durchschnitt 375 Liter Milch, die Einkreuzungen mit Saanenziege hatten eine deutliche Verbesserung gebracht, und hatten im Durchschnitt 854 Liter Milch.

Es war die Zeit in dem der Ziegenzuchtverein seinen größten Aufschwung erlebte, der Ziegenbestand Im Verein war auf 1600 Tiere angestiegen. Es war auch der Beginn der Teilnahme des Vereins an den Ganz großen Tierschauen und Ausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft ( DLG ).

Im Jahre 1895 beschickte der Verein die DLG – Ausstellung in Köln mit Zuchtziegen. Im Jahre 1896 waren Heppenheimer Ziegen auf der DLG in Stuttgart, 1897 waren Ziegen vom Verein in Hamburg, 1898 war der Verein mit Ziegen in Dresden, 1900 auf der DLG in Posen, 1902 auf der DLG in Mannheim, 1903 auf der DLG in Hannover, 1904 auf der DLG in Danzig, 1905 auf der DLG  Mainz, 1907 auf der DLG in Düsseldorf, 1908 auf der DLG in Stuttgart, für 1909 war der Besuch der Weltausstellung in Argentinien geplant, was aber nicht zustande kam.

Die Erfolge auf den DLG – Ausstellungen waren beachtlich, der Verein wurde Deutschland weit und darüber hinaus bekannt. Es folgte eine große Nachfrage nach Zuchttieren, auch vom Ausland. So kamen Bestellungen aus Amerika, aus Afrika und aus Palästina. Im Jahre 1904, wurden z.B. über den Verein 319 Ziegen verkauft, die Jahresabrechnungen des Vereins von damals sind uns heute unbegreiflich. Das Vereinsvermögen betrug im Jahre 1908,( DM 8002,33) z.B. waren im Jahre 1912 die Vereinseinnahmen ( DM 10 517,00 ).

Im Jahre 1907 erwarb der Verein, in Heppenheim am Schlossberg , ein Grundstück von der Größe von 4 564,00 qm, das als Ziegenweide dienen sollte. Aus der Zeit des 1. Weltkrieges von 1914 bis 1918 wurde in den Unterlagen sehr wenig berichtet. Durch die Inflation wurde das Vereinsvermögen bei der Sparkasse aufgefressen, es blieb nur das Grundstück die Ziegenweide. Die Jahre von 1918 bis 1922 waren schlechte Zeiten für die Ziegenzüchter, zum einen hatte die Maul und Klauenseuche schweren Schaden den Züchtern zugefügt, zum anderen war der Absatz von Zuchttieren eingebrochen.

Am 16.09.1919 fand aus Anlass des 25 jährigen Bestehens eine Ziegenschau mit Prämierung im Faselhof in Heppenheim und abends eine Feier im Vereinslokal ( im Stern ) statt.

Die Jahre von 1922 bis 1933 brachten große Veränderungen in der Vereinsgeschichte. Im Jahre 1922 wurden auf Wunsch der Landwirtschaftskammer die Ziegenzuchtvereine des Kreises Heppenheim, zu einem Ziegenzuchtverband Heppenheim- Weschnitztal zusammengeschlossen, dieser wurde dem Landwirtschaftskammer- Ausschuss Starkenburg unterstellt. Dieser neue Zuchtverband bestand aus den Vereinen Heppenheim, Bensheim, Lorsch, Einhausen, Fehlheim, Bürstadt, Groß- Rohrheim, Lampertheim, Rimbach, Mörlenbach und Aschbach. Die Kontrolle über Zucht und Herdbuch lag von da an in den Händen der Landwirtschaftskammer.

In den Jahren 1928 und 1929 wurden vom Verein wieder Ziegenschauen abgehalten, in dieser Zeit war auch das 35 jährige Vereinsjubiläum, es wurde eine Ziegenschau im Faselhof abgehalten. Abends fand im ( Goldenen Anker ) eine Feier statt, bei der Landwirtschaftsrat – Rabenau über die Vereinsgeschichte berichtete.

Liest man die Protokolle nach 1933 so ist zu erkennen dass der Verein auf den großen Schauen nicht mehr aufgetreten ist. Auch Verkäufe von Ziegen, in großem Umfang, fanden nicht mehr statt. Das Tierzucht – Amt in Darmstadt führte die Milchleistungsprüfungen durch. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der besten Ziege im Verein, im Jahre 1938 mit 1 453 kg Milch, im Jahre 1939 mit 1 490 kg Milch und in 1940 mit 1 576 kg Milch. Im Durchschnitt waren in der Zeit ca. 20 Ziegen im Jahr in der Leistungskontrolle.

Das 50 jährige Gründungsfest wurde am 03.06.1944 in einfacher Weise veranstaltet, dabei versammelten sich die Mitglieder im Gasthaus beim Gehrig, in einer kleinen Feier wurde über die Vereinsgeschichte berichtet. Im Jahre 1954 wäre eigentlich eine 60 Jahrfeier fällig gewesen, wegen der geringen Anzahl an Mitgliedern und vor allem an Zuchttieren, wurde von einer Ausstellung und Feier abgesehen. Die 1960 er und die 1970 er Jahre waren die Zeit, in der die meisten Ziegenzuchtvereine aufgaben und auch der Hessische Ziegenzuchtverband aufgelöst wurde. Zu der Zeit gab es außer dem Heppenheimer Ziegenzuchtverein keine Hessische Ziegenzucht mehr. Nur durch die starken freundschaftlichen Bindungen der Züchter untereinander, hat der Heppenheimer Ziegenzuchtverein diese Zeit überstanden.

Im Jahre 1958 hat der Wagenbauer Peter Stappel den Vorsitz übernommen, er hat den Verein ( 22 Jahre ) bis 1980 geleitet . Es war eine ruhige aber sehr schöne und harmonische Zeit in der Vereinsgeschichte. Alle Versammlungen und Treffen fanden immer in dieser Zeit bei unserem Zuchtfreund und Schriftführer Vallentin Weber statt, bei diesen Versammlungen wurden die Getränke aus der Vereinskasse bezahlt für Kaffee und Kuchen haben die Züchterfrauen gesorgt. Ziegenschauen wurden keine abgehalten, die Hauptaufgabe des Vereins war es jährlich einen Zuchtbock zu besorgen. In dieser Zeit wurde Ankauf sowie die Aufzucht von Ziegenlämmern aus der Vereinskasse bezuschusst.

Im Jahre 1980 ist Peter Stappel vom Vorsitz zurückgetreten, bei der folgenden Wahl wurde Rudolf Unger einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, dieses Amt hatte er bis 1987 ausgeübt. Danach folgte Ernst Weidenauer, und danach Hans Rhein, heute ist Helmut Mäffert Vorsitzender

Am 12.01.1983 ist der Heppenheimer Ziegenzuchtverein mit dem 1. Südhessischen Ziegenzüchtertreffen ( im Gasthaus- Gehrig ) seit vielen Jahren wieder öffentlich aufgetreten. Zu seinem 90 jährigen Bestehen, lud der Ziegenzuchtverein alle Mitglieder und Ehrengäste, am 16. Juni 1984 um 19,30 Uhr in das Gasthaus ( Zum Kleintierzüchter ) zu einer Vereinsfeier ein.

Die Gaststätte war vollbesetzt, mehr als 30 Mitglieder und Gäste waren gekommen um gemeinsam Das 90 jährige Bestehen zu feiern.

Die Erfolgsgeschichte / Ziegenschau mit Kleintiermarkt / wurde zum 1. mal am 16. Juni 1985 In Heppenheim am Schlossberg auf der Ziegenweide veranstaltet. Zu dieser 1. Ziegenschau des Vereins kamen bereits über 1 000 Besucher , ein großer Erfolg für den Verein.

 

 

ErsterVorsitzender_WilhelmHohn

Erster Vorsitzender und Vereinsgründer – Wilhelm Höhn